Älteste Apotheke Deutschlands: Vor 775 Jahren das erste Mal erwähnt

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Vor 775 Jahren wurde die erste „apotheca“ in Deutschland urkundlich erwähnt.
Demnach überschrieb Fridericus, Gutsverwalter des Bischofs zu Trier, am 23. Mai 1241 seine „am Graben in der Stadt Trier befindliche Apotheke nebst angrenzendem und zugehörigem Haus“ den Nonnen des Klosters St. Thomas. Die Schenkungsurkunde wird heute im Trierer Stadtarchiv aufbewahrt.

Ebenfalls um das Jahr 1241 begründete Friedrich II. den Beruf des Apothekers mit einem bahnbrechenden Gesetz. Um zu verhindern, dass Ärzte zusätzlich auch am Verkauf von Salben und Tinkturen verdienen, legte der Stauferkaiser im sogenannten „Edikt von Salerno“ eine Trennung der Berufsgruppen und ihrer Aufgabengebiete fest: Der Arzt sollte diagnostizieren und Arzneimittel verordnen. Es war ihm jedoch bei Strafe untersagt, sie herzustellen oder zu verkaufen. Dies sollte fortan alleiniges Recht der Heilmittelkundigen sein. Ihnen wiederum war es verboten, Diagnosen zu stellen oder Patienten zu behandeln. Außerdem durften sie Arzneien nur zu festgelegten Preisen verkaufen. Dieses System hat bis heute Bestand.

Doch waren weder Beruf noch der Ort der Apotheke im 13. Jahrhundert vergleichbar mit dem, was man heute kennt. Heilmittelkundige waren zunächst noch fahrende Händler, die Kräuter, Salben und Pillen auf Märkten anboten oder mit der Kiepe auf dem Rücken durch die Lande zogen. Erst nach und nach siedelten sich die Arzneihändler in den aufstrebenden Städten an.

Auch das Wort „apotheca“ hatte seinerzeit noch eine andere Bedeutung. Es bezeichnete einen Lager- oder Vorratsraum für Tee, Gewürze oder Kräuter. Später diente dieser dann auch als Werkstatt (Offizin), um Tinkturen, Salben und Arzneipflanzenmischungen zuzubereiten und zu verkaufen. Das älteste erhaltene Apothekenprivileg stammt aus dem Jahr 1303. Einem Bürger im uckermärkischen Prenzlau wurde die Leitung einer Apotheke übertragen, inklusive Konkurrenzausschluss im Umkreis von zehn Meilen.

Im Mittelalter oft noch mit dem Ruf des Quacksalbers und Marktschreiers behaftet, gehörten Apotheker bereits in der Renaissance zu den wohlhabenden und angesehenen Honoratioren einer Stadt. Zunehmend eigneten sie sich Fachkenntnisse an, besuchten medizinische Universitätsvorlesungen und begründeten schließlich – auch durch das Wissen über Chemie – die Arzneimittelforschung und -industrie. Firmen wie Schering zum Beispiel sind aus kleinen Apotheken des 19. Jahrhunderts hervorgegangen.

Mit dem Aufkommen der pharmazeutischen Industrie verlagerte sich der Aufgabenbereich des Apothekers erneut. Zwar werden in Apotheken nach wie vor individuelle und auf den Kunden zugeschnittene Rezepturen selbst hergestellt. Aber heute sind Apotheker vor allem für Abgabe, Verkauf und Qualitätssicherung von Arzneien sowie für Beratung zuständig.

Und die Apotheke „im Haus am Graben“ am Trierer Hauptmarkt? Sie existiert noch immer. Im 16. Jahrhundert hieß sie Einhorn-Apotheke. Seit 1660 ist sie im Familienbesitz. Und im 19. Jahrhundert erhielt sie ihren aktuellen Namen: Löwen-Apotheke. Erst vor wenigen Jahren wurde die Apotheke aufwendig renoviert. Neben einem hochmodernen Verkaufsraum weisen der Eingangsbereich mit eindrucksvoller Stuckdecke, kleine Museumsvitrinen und im Boden eingelassene Textbändern auf die lange und bedeutende Historie der „apotheca“ hin.

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