Top Story: Apotheker gefragt: Wollt ihr überhaupt impfen?

Das Apothekenstärkungsgesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung niedergelassener Apotheken vor. Einer der Vorschläge besteht in dem Vorhaben, (zunächst in Modellprojekten) Grippeschutzimpfungen in der Offizin direkt durch Apotheker durchführen zu lassen.
Durch die Übertragung medizinischer Dienstleistungen soll den Apotheken vor Ort so eine zusätzliche und regelmäßige Einnahmequelle eröffnet werden. Außen vor bleibt bei diesen Überlegungen jedoch bisher, ob die Übertragung der Grippeimpfverantwortung überhaupt ein gewünschtes Szenario für die Apotheken darstelle. Im Rahmen einer APOSCOPE-Umfrage unter mehr als 2000 Apotheken äußerten sich Inhaber und angestellte Apotheker überwiegend kritisch zu den Plänen Spahns.

Weniger als ein Drittel der befragten Apothekeninhaber (31 Prozent) könnte sich demnach vorstellen, diese Dienstleistung in der eigenen Apotheke auch tatsächlich anzubieten, beinahe zwei Drittel der Teilnehmer lehnten dies ab. Von den angestellten Pharmazeuten des Befragungspanels äußerten sich rund 38 Prozent der Befragten positiv, knapp sechzig Prozent stehen der neuen Dienstleistung eher ablehnend gegenüber.

Offensichtlich haben die Apotheker Bedenken, dass man sich durch die Kompetenzerweiterung in der Offizin den Unmut der Ärzte zuziehen würde. So gaben 88 Prozent der Teilnehmer an, dass die Impfmöglichkeit in der Apotheke ein hohes Konfliktpotenzial im Verhältnis zwischen Apothekern und Ärzten berge. Erstaunlich: Was für deutsche Apotheken momentan eher ablehnend diskutiert wird, ist in vielen Ländern wie Australien, Dänemark, Großbritannien, Irland, Kanada, Neuseeland, Portugal, Schweiz, Südafrika und den USA jedoch bereits gang und gäbe. Dort wird bereits seit mehreren Jahren auch in der Apotheke geimpft. Bereits 2016 räumt ein FIP-Gutachten der Möglichkeit, in Apotheken zu impfen, großes Potenzial ein. So schreibt Helena Rosado, eine Co-Autorin des Gutachtens: „Der einfache Zugang und die Verteilung der öffentlichen Apotheken macht sie zum ersten Kontaktpunkt für die Patienten und damit zu einer hervorragenden Anlaufstelle, um etwas gegen die unzureichenden Immunisierungsraten zu tun.“

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